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ARTE

19.03.2003, "Lizard Lounge",
Rue du Bourg Tibourg, 75004 Paris, 22:00 Uhr

Das Ende eines Ultimatums




Video: "Wir sind keine Kriegstreiber ..."


Amerikaner in der Lizard Lounge
Die Lizard Lounge ist eine modern gestaltete Kneipe, die von einem Engländer und einem Amerikaner betrieben wird. Innerhalb von acht Jahren ist sie zu einem angesagten Treffpunkt für Besucher aus dem englischsprachigen Ausland geworden. Im Hintergrund läuft elektronische Musik, die Gäste lesen in der International Herald Tribune, spielen Schach oder wagen im Kellergewölbe einige vorsichtige Tanzschritte. Über der Tanzfläche ist ein Schild mit der Aufschrift "Peace" angebracht. "Das klebt hier schon seit mehreren Jahren", erklärt Jean-Pierre, einer der Barkeeper, "ursprünglich gehörte das zu einer Ausstellung und ist dann einfach hängen geblieben." Einige Schritte entfernt steht eine Gruppe attraktiver junger Frauen, die sich in der Sprache Shakespeares unterhalten und sichtlich ihren Spaß haben. Die Neuseeländerin Lise hat sich einen Traum erfüllt und lebt seit einigen Monaten in ihrem über alles geliebten Paris. Und der Krieg? "Ich versuche, nicht so viel darüber nachzudenken", meint sie. Lise ist gegen den Krieg, doch "es bleibt einem doch nichts anderes übrig als 'wait and see', als abzuwarten. Von der Australierin Monica, die als Au-pair-Mädchen nach Paris gekommen ist, bekomme ich eine ausführlichere Antwort: "Ich lehne diesen Krieg ab. Bush ist ein Verrückter und der australische Premierminister sein Papagei." Sie hat Angst vor Attentaten, denn seit den Anschlägen von Bali fühlt sie sich als Australierin im Visier der Terroristen.
Im Erdgeschoss sitzen zwei amerikanische Pärchen an einem Tisch und plauschen über die Familie, die Freunde und den Urlaub. Sie stammen von der Ostküste und haben vor ihrer Ankunft in Paris Abstecher nach Berlin und Amsterdam gemacht, wo sie sich einige Beleidigungen anhören mussten. Auf den bevorstehenden Krieg angesprochen, erklären sie sofort, dass sie keine Kriegstreiber seien. Anschließend erklären sie mir wortreich ihren guten Willen und ihre aufrichtig erscheinende Sorge um die irakische Zivilbevölkerung, wobei ihre Worte von einem sehr nüchternem, unerschütterlichen Patriotismus geprägt sind. Drei von ihnen haben Bush gewählt, alle halten diesen Krieg für gerechtfertigt. Roby, eine der jungen Frauen, sagt: "Ich liebe mein Land und vertraue meiner Regierung". Das geht sogar so weit, dass sie fast wortwörtlich die kriegerischen Reden der amerikanischen Regierung abspult. Die vier jungen Universitätsabsolventen sind davon überzeugt, dass Verbindungen zwischen der Al-Kaida und dem Irak bestünden, dass "zwölf Jahre Provokation der Vereinten Nationen durch den Irak genug seien" usw. usw. Roby hat Angst und versucht, den Schock des "nine-eleven", des 11. Septembers, in Worte zu fassen; sie beschreibt ihn wie eine unbewältigte Trauer. Ich frage sie, wie weit Amerika denn bereit sei zu gehen, um dieses Trauma zu überwinden, wenn man doch bedenke, dass der Krieg vermutlich zu neuen terroristischen Anschlägen führen wird? Roby trinkt erst einmal einen Schluck Bier: Sie kann es mir nicht genau sagen, in erster Linie hat sie Angst.