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ARTE

20.03.2003, Brandenburger Tor, Pariser Platz

Demonachwuchs




Video: Vor dem Brandenburger Tor
Ich gehe eigentlich nicht so gerne zum Brandenburger Tor. Als vor ein paar Monaten erst ein Skijackenfabrikant das frisch renovierte Tor (Farbe beige, wie es das Volk wollte) eröffnete: Was sollte man dort?

Am Nachmittag will ich dann aber doch hin. Neugier gepaart mit echtem Protestwillen. Dort muss heute immer Demo sein, denke ich.
Auf dem Weg zum Tor staut sich der Fußgängerstrom, Unter den Linden, Höhe Café Einstein. Klar, die amerikanische Botschaft. Kriegsgegner haben sich stumm vor das Absperrgitter gehockt. Die Touristen gehen langsamer. Eine Frau sagt zu ihrem Freund: „Nicht, dass die mir was klauen“, und packt ihr Portemonnaie tiefer in die Tasche. Die Fußgänger stauen sich auch, weil sie sich einen Weg bahnen müssen durch die aufgestellten Fernsehkameras, die Aktivisten und ihre Banner filmen.
Die Polizisten werden natürlich auch gefilmt. Sie schauen einen Wir-müssen-hier-stehen-weil-es-unser-Job-ist-und-eigentlich-würden-wir-am-liebsten-selber-protestieren-Blick.

Am Brandenburger Tor Überraschung: Keine Demo. Nur noch die Reste der morgendlichen Schülerdemo (das Wesen aller Schülerdemos: Schule muss ausfallen, also IMMER morgens).

Nur eine Klasse aus Sülzburg ist übrig geblieben. Eigentlich war alles nur eine Klassenfahrt von der Provinz in die Hauptstadt, nun haben sich die Mädchen Peace-Zeichen auf die Wangen gemalt. Sie stehen ein bisschen verloren rum, dann trotten sie brav zum Mercedesbus, der sie zurück bringt nach Sülzburg.

Derweil probt ein Vater mit sämtlichen Kindern seiner Bekanntschaft. Er will, dass die Kinder rufen: „We don’t want this fucking war“. „Was heißt’n das?“, fragt eines der Kinder. „Wir wollen den scheiß Krieg nicht“, sagt der Vater und dirigiert eifrig.

Es klingt ein bisschen wie „We don’t want this fucking wall.“ Aber das war eine andere Geschichte, die dieser Demonachwuchs höchstwahrscheinlich gar nicht kennt.