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ARTE

20.03.2003, Paris, Place de la concorde, 16:00

Es herrscht ein großes Durcheinander



Demonstration im Pariser Zentrum.



Video: Real-Video: Place de la concorde
Der Stau ist kilometerlang, drei Metro-Stationen wurden geschlossen und das gesamte Viertel um die amerikanische Botschaft herum ist hermetisch abriegelt. Heute Abend muss man auf dem Heimweg noch mehr Geduld aufbringen als sonst.

Es herrscht ein großes Durcheinander, die Stimmung ist angespannt. Der Demonstrationszug, der sich gerade noch um den Obelisken, eines der Symbole der französischen Kolonialvergangenheit, bewegte, macht Anstalten, weiterzuziehen. Die Demonstranten verlassen den Place de la Concorde über die Brücke, den Pont de la Concorde. "Concorde" bedeutet im Französischen übrigens "Eintracht" - doch dieser Wert scheint zur Zeit nicht besonders gefragt zu sein.

Ich erkundige mich nach der geplanten Route. Niemand scheint in der Lage zu sein, mir eine Antwort zu geben. "Keine Ahnung", meint eine Mittvierzigerin, "ich komme gerade von der Arbeit. Aber ich gehe jetzt einfach mal mit." Sind wir denn Herdentiere, die ihren aufgestauten Frust durch eine Stadtwanderung loswerden müssen? Auch die anderen können mir nicht sagen, wo es eigentlich hingeht. "Ich glaube, wir laufen über den Boulevard St. Germain", vermutet der Typ neben mir. Jeder ist mit den Gedanken sowieso ganz woanders. Ah, aber hier kommt jemand, der bestimmt weiß, wo es langgeht, ein Mitglied der "revolutionären kommunistischen Liga", der Ligue communiste révolutionnaire. Und in der Tat, die Antwort ist klar und bestimmt: "Wir gehen nach Montparnasse". Das gilt jedoch nicht für alle, 2000 - oder sind es 3000? - Demonstranten stellen sich den Polizisten in den Weg, die jene Seite des Platzes absperren, an der sich die amerikanische Botschaft befindet. Ich versuche mit dem Zoom meiner Kamera herauszufinden, ob "da drüben an der Botschaft jemand ist", und in der Tat sehe ich einen alten Mann, den es wohl brennend interessiert, was seine amerikanischen Nachbarn tun. Doch man sieht nichts, nicht einmal die kleinste Regung hinter einer Gardine. Nur die angestrahlte amerikanische Flagge. Sehr hell flackert allerdings die "Stars-and-Stripes"-Fahne, die einige aufgeregte Jugendliche in meiner Nähe entzünden.

Ich habe den Eindruck, einer Gruppe von Kindern zuzusehen, die genau das nachmachen, was sie in Filmen gesehen haben. Der einzige Unterschied besteht darin, dass sie diesmal die Straßenszenen aus arabischen Ländern nachspielen, die immer wieder in den Nachrichten laufen. Plötzlich zucke ich zusammen: Vereinzelt, doch klar vernehmbar, ertönen "El Dschihad, El Dschihad"-Rufe. Es ist das erste Mal, dass ich so etwas in Frankreich höre. Andere schreien "Allahu Akbar"; "Es gibt weder Götter noch Herren", lautet darauf die geistesgegenwärtige Antwort eines Anarchisten.

Als ich den Place de la Concorde über die Champs Elysées verlassen möchte, sehe ich mich plötzlich einem Polizeiaufgebot gegenüber. Übrigens nicht nur ich: Wir sind gut Hundert Personen, manche rufen "Lasst die Demonstranten frei". Auf den Mannschaftswagen, den Barrieren und Uniformen steht überall ganz groß "Sécurite - Sicherheit".