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ARTE

22.03.2003, Stuttgart-Vaihingen, Katzenbachstraße, 12:46

Schluss mit lustig




Video: Aktivisten des Friedens


Demonstration der Kriegsgegner.
Mit der S-Bahn nach Stuttgart-Vaihingen. Vor der Kommandozentrale der amerikanischen Streitkräfte in Europa wollen Friedensaktivisten demonstrieren. Schönes Demowetter, richtig warm, Polizisten weisen freundlich den Weg.
Komisch, hier in Vaihingen habe ich vier Jahre lang studiert, dass das Hauptquartier der amerikanischen Streitkräfte in Europa nur einen Spazierweg von der Uni entfernt lag, wusste ich nicht. Wirklich wichtige Orte, so scheint es, liegen immer im Verborgenen. Deswegen finde ich den Weg auch erst nicht, muss einen Freund anrufen, der dann auf dem Stadtplan nachguckt und uns per Handy fernsteuert.

Der Demozug geht durch die Katzenbachstraße, schwäbische Einfamilienhäuser, Streuobstwiesen, manche Demonstranten machen unter alten Bäumen ein Picknick. Unter einem Schild „Kleingartenverein Stuttgart“ lehnen die Schutzschilde der Polizisten. Die deutschen Polizisten schützen die amerikanischen Bewohner des Stützpunktes, die ihre Wohnhäuser nur noch durch einen Seiteneingang erreichen.

Ein amerikanischer Soldat verbietet, ihn oder seine Kollegen zu filmen. Schon nicht mehr so freundlich.

Der letzte Demo-Redner endet seine inhaltsarme Rede mit den Worten: „Die Demonstration ist hiermit offiziell beendet.“ Und dann ruft er noch: „No war but class war. Revolution.“

Man ahnt, dass jetzt nicht alle brav nach Hause gehen. Tun sie auch nicht. Ich lausche gerade einem Gespräch mit einem Uralt-Friedenaktivisten, der schon hier vorm Hauptquartier gestanden ist, als noch Kalter Krieg war. Dann fliegen Eier auf die Polizisten, der alte Mann sagt: „Was ist denn jetzt?“

Noch ein Ei. Die Polizisten prügeln ordentlich zurück, Kameras surren, man schaut, dass man selbst nichts auf die Mütze kriegt, rennt hinter die Polizisten. Dort scheint es sicherer.

Ein älterer Herr im Trenchcoat, offenbar der Einsatzleiter, sagt: „Passen Sie auf, dass sie nicht für Demonstranten gehalten werden, da vorne. Diese Schläge tun weh. Da hilft Ihnen keiner.“

Dann rufen die Demonstranten im Chor: „Keine Gewalt. Keine Gewalt. Keine Gewalt.“

Sie sind noch zu hören, hundert Meter weiter, am Ende der Katzenbachstraße, wo ein kleiner Junge, der mit seinem Vater auf der Demo war, enttäuscht nach Hause trottet. „Alles nur wegen dem Krieg“, sagt er.