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ARTE

22.03.2003, Institut du Monde Arabe, 1 rue des Fossés-Saint-Bernard, 75005 Paris, 16:00

Wie in der guten alten Zeit...




Video: Das arabische Institut


Vor dem arabischen Institut in Paris.
„Leute wie Sie bereiten mir keine Arbeit, vielen Dank“, sagt mir der Sicherheitsbeamte am Eingang des Institut du Monde Arabe, denn als erfahrener Nutzer von Sicherheitsschleusen habe ich ohne Aufforderung alle Metallgegenstände aus meinen Taschen herausgeholt.

Er scheint sich bei seiner sinnlosen und zugleich notwendigen Aufgabe sehr zu langweilen.

Die Ausstellung „Arabische Pferde und Reiter“ zwei Stockwerke höher birgt unglaubliche Schätze, die von der jahrhundertelangen Leidenschaft der arabisch-muslimischen Welt für Einhufer zeugen. Vor den Flachreliefs, Mosaiken und den anderen Kunstwerken drängeln sich die Besucher.
Einer Gruppe wird gerade die „Schah-Name“-Miniatur erklärt, das äußerst umfangreiche, 50.000 Doppelverse umfassende persische Königsbuch aus dem 10. Jahrhundert. Es stammt aus der Feder Firdausis, des bedeutendsten epischen Dichters der Perser. Der Museumsführer erklärt das „Gottesurteil“, das als prozessuales Beweismittel galt, wenn der Beweis durch Zeugen versagte. Wenn ein König die Aussage eines seiner Untertanen anzweifelte, so wurde diesem beispielsweise eine Feuerprobe auferlegt: Er musste über glühende Pflugscharen reiten, und wenn der Beschuldigte dies überlebte, dann hatte er die Wahrheit gesagt. Ich komme nicht umhin, mir vorzustellen, dass man so die Aussagen der Herren Bush und Hussein hätte überprüfen können. Diese Vorgehensweise wäre doch viel effizienter als das über das Fernsehen praktizierte „Ich sehe was, was Du nicht siehst“-Spielchen.

Horse versus khayl

Eine weitere Miniatur zeigt den Kampf eines iranischen und eines turanischen Helden. Sie erinnert mich an eine gallische Tradition; eigentlich ist es erstaunlich, dass die sonst so findigen französischen Diplomaten dies der UNO nicht zur Beilegung des amerikanisch-irakischen Streits vorgeschlagen haben. Ich denke hier natürlich an den Kampf der Häuptlinge, der den unglaublichen Vorteil hatte, die jeweiligen Völker zu verschonen. Pferde gehören ja zur Kultur der beiden Bösewichte: Man hätte Saddam auf Berber-Art auf ein „Khayl“ (arab.: Pferd) setzen können, um der Schnelligkeit willen mit leichter Bewaffnung und kurz gehaltenen Steigbügeln; George hingegen säße mit gestreckten Beinen auf seinem Ross, mit Rüstung und Lanze, zur Erhöhung der Stoßkraft. Das Turnier hätte in einem norwegischen Stadion ausgetragen werden können, denn Norwegen ist ja traditionell neutral, und das Ganze hätte man weltweit im Internet übertragen.

Doch leider, leider gehören die Ehrenkodizes der Vergangenheit an. Das Schild am Ausgang informiert darüber, dass der erste Weltkrieg den unabwendbaren Niedergang der Kavallerie nach sich zog. Heute schießen erdölangetriebene Panzer auf Menschen, damit ja der Treibstoff nicht ausgeht. In ca. 20 Jahren, wenn alle fossilen Brennstoffe aufgebraucht sein werden, wird man die politischen Streitigkeiten dann ja vielleicht wieder auf dem Pferderücken austragen.