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ARTE

23.03.2003, The American Church, 65, Quai d'Orsay, Paris, 7. Arrondissement. 17:00

"Mein Herz gehört Zweien..."



Die amerikanische Kirche in Paris
Der Sicherheitsbeamte am Eingang fragt mich nervös, was ich denn gefilmt hätte, und nimmt mir anschließend die Kamera ab. Er hat die Journalisten satt, zum Gottesdienst heute morgen am "Tag des Herrn" sind ganze Heerscharen von ihnen gekommen. Wie viele Menschen den Gottesdienst besucht hätten? "Wie üblich, ungefähr 400 Leute".

In der Vorhalle stehen einige Amerikaner vor dem Schwarzen Brett mit den Job- und Wohnungsanzeigen. Im großen Saal warten ca. 20 Personen auf die junge Sopranistin Andrea Leap ("Absolventin der Universität von Indiana"), die in Paris gerade das französische Liedgut der 20er- und 30er-Jahre studiert, sowie auf die junge rumänische Pianistin Iulia Olteanu.
Das Konzert beginnt mit dem Lied "J'ai deux amours: mon pays et Paris (Mein Herz gehört Zweien: meinem Land und Paris)", das durch Josephine Baker weltberühmt wurde und sehr gefühlsbetont vorgetragen wird. Darauf folgen "I love Paris" von Cole Porter und "La vie en rose" von Louiguy.

Auch die nächsten Lieder erzählen vom künstlerischen und romantischen Paris. Heutzutage wird diese Seite von Paris stark übertrieben dargestellt, doch sie scheint immer noch zu faszinieren. "Ich liebe Dich nicht" von Kurt Weill ist ein schönes Lied über die Ernüchterung in der Liebe; in diesen Tagen scheint es auf Jacques den "Chi" zugeschnitten zu sein, der die Sticheleien unseres lieben George und seiner Knechte wahrscheinlich immer weniger erträgt. Das Konzert geht weiter und nimmt uns mit in ferne Gefilde, nach "Youkali, le pays de nos désirs", nach Youkali, das Land unserer Sehnsüchte.

"Big Torpedo"

Ich habe den Krieg nicht vergessen, bin aber auf angenehme Weise abgelenkt, als der Sicherheitsbeamte mich ganz unvermittelt wieder auf den Boden der Tatsachen zurückbringt. Die diensthabenden Polizisten hätten ihm bedeutet, dass er die Kamera nicht bei sich behalten könne, und sie hätten mich zuerst nicht gefunden. Deswegen muss ich mich einer ausführlichen Ausweiskontrolle unterziehen. Während der eine Polizist meine Daten per Funk überprüft, fragt mich sein Kollege nach meiner Herkunft. "Ich bin Franzose marokkanischen Ursprungs, warum wollen Sie das wissen?", antworte ich und denke dabei an Zacarias Moussaoui. "Einfach aus Neugierde, ich mache hier Smalltalk", meint er. Er hat die Nervosität, mein kleines "Kafka-Syndrom", bemerkt, das mich bei Ausweiskontrollen immer überfällt, und scheint mich wirklich nur beruhigen zu wollen. "Ah, Sie sind aus Hazebrouk (im Departement Nord), wir kommen aus der gleichen Gegend", sagt er, während er mir meine Papiere zurückgibt, "Ich komme aus Dunkerque". Super, dann bin ich ja beruhigt. Ich bin diese stressigen Ausweiskontrollen leid, wo auch immer sie stattfinden.

"Montesquieu, Voltaire, Rousseau und Konsorten, kommt schnell zurück, die Welt ist verrückt geworden!" Ich kehre in den Konzertsaal zurück und hoffe auf weiteren Herzensbalsam, doch die Ernüchterung lässt nicht auf sich warten: Im letzten Lied mit dem Titel "Paris makes me horny", was übersetzt so viel wie "Paris macht mich scharf" heißt, kommen einige Phallussymbole im Stile des Eiffelturms vor, doch plötzlich ist auch von einem "big torpedo" die Rede. Die Menschen im Saal zucken zusammen.