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ARTE

25.03.2003, Im Cyperspace, XS Arena, rue Saint-Denis Paris 1. Arrondissement, 19:00

Der Irak im Internet

Im Internetcafé spielen viele Besucher "Counter Strike", ein Kriegsspiel, bei dem die Spieler über vernetzte Rechner gegeneinander kämpfen, u.a. mit dem Pseudonym, "Bin Laden 2001" und "Bush-hau-ab". Ich höre die Salven ihrer fiktiven Waffen und denke, dass das eine gute Methode sein muss, um sich abzureagieren. Eine Spielkonsole müsste man dem amerikanischen Präsidenten also schenken!

Die amerikanisch-britischen Truppen bombardieren nicht nur die irakische Bevölkerung, sondern auch die Überreste der ältesten uns bekannten Kulturen, die Wiege der Menschheit. Die Sache mit den so genannten "intelligenten" Bomben glaube ich nicht; der Krieg von 1991, der angeblich mit chirurgischer Präzision geführt wurde, hat Zehntausende Menschen das Leben gekostet. Und wenn man selbst auf seine eigenen Soldaten schießt, wie kann dann behaupten, mit der größtmöglichen Genauigkeit vorzugehen?

Im Internet lese ich, dass die Sumerer gegen 4800 vor Christus den südlichen Teil des heutigen Irak besiedelten. Von der Blütezeit ihrer Kultur zeugt die Gegend um die Stadt Ur, wo die erste menschliche Schrift, die Keilschrift, entwickelt wurde. Sie wurde mit einem Rohrgriffel in Tontafeln eingeritzt und eingedrückt. Ich verdanke es also auch den Sumerern, dass ich heute kommunizieren kann. Einige Zeit später entstand in dieser Region unter der Ägide des Königs Hammurabi (1728-1686 v. Chr.) die erste Gesetzessammlung, der Codex Hammurabi. Einige dieser Tontafeln sind heute im Louvre zu bewundern.

Last but not least, wie man bei uns sagt, befinden sich im heutigen Irak die Überreste der großen Bibliothek von Ninive, einer Tontafelbibliothek. Dort fand man Texte, die einige Jahrhunderte vor den ältesten uns bekannten Bibeltexten verfasst wurden, u.a. die Keilschrifttafel zur Sintflut und ein Text über die Rettung des Mose aus dem Wasser. Einige dieser Tafeln kann man sich im Vorderasiatischen Museum in Berlin ansehen, in dem es übrigens noch weitere Schätze Mesopotamiens zu entdecken gibt.

Ich komme nicht umhin, zu denken, und ich glaube, ich bin da nicht der Einzige, dass unseren amerikanischen Freunden genau das fehlt: Eine echte Vergangenheit, die die Gegenwart mit Sinn erfüllt, und die vor allem die Neuerungen und die Stellung des Menschen in der Welt relativ erscheinen lässt.

Am Wasser
Auf der Website des Institut du monde arabe lese ich, dass das Hauptanbaugebiet des Irak das von Euphrat und Tigris durchflossene "Zweistromland" (Mesopotamien) ist, auf das der Name "Irak" zurückgeht, der im Arabischen wörtlich "am Wasser" bedeutet. Genau das Wasser also, das den Bewohnern von Bassra in den nächsten Stunden fehlen wird. Jenes Wasser, das weltweit Mangelware ist, wie es gerade wieder das Weltwasserforum in Kyoto in Erinnerung gerufen hat.
Du dummy, der du das Protokoll von Kyoto nicht unterzeichnet hast, schwarzes Gold kann man nicht trinken!