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ARTE

28.03.2003, Ostseestraße, Berlin-Weißensee,11:20

Alte Kamellen




Video: Stoppt den Krieg. PDS!


Stand der PDS auf dem Wochenmarkt in Berlin-Weißensee.
Auf einmal waren sie wieder da, die Plakate. Überall in der Stadt. „Stoppt den Krieg. PDS“. Selten plakatiert eine Partei, obwohl keine Wahlen sind. Die Partei hatte schon zum Krieg gegen den Afghanistan-Krieg fast identische Plakate gedruckt. Damals waren Wahlen, damals haben die meisten gelächelt.

Die PDS Weißensee hat ihren Stand auf dem Wochenmarkt aufgestellt, am Weißenseer Eck, will Passanten davon überzeugen, am Sonnabend zur Friedensdemo am Großen Stern zu kommen. Ungefähr jeder dritte hat hier bei der vorigen Wahl PDS gewählt.

Aber kaum einer der Markbesucher schert sich um die Faltblätter, Aufkleber, Friedenstaubenluftballons und die Bonbons, die noch vom letzten Wahlkampf stammen. Genau genommen kommen in einer Stunde gerade mal vier Gesprächspartner. Und mit denen reden die PDS-Mitglieder dann über das Übliche: Dass die PDS ja nicht die SED sei, zum Glück. Malte Pleiner hat das schon oft erzählt, und der Mann hat vermutlich mehr das Recht dazu als andere Mitglieder. Er ist Wessi, kommt aus Schleswig-Holstein, erst 1995 in die PDS eingetreten.

Malte Pleiner weiß, wie man die Weißenseer lockt. Nur ein einzelnes Blatt mit wenig Text hinhalten, nicht die Antikriegszeitung und das Neue Deutschland schon gar nicht. Trotzdem: Es kommt keiner.

Genosse Schubert, sie nennen sich untereinander so, versucht sein Glück ein bisschen weiter vom PDS-Schirm entfernt, so als hoffe er, parteilos zwischen Wurst- und Kofferverkäufern bessern anzukommen. Vergebens.

Schubert ist an diesem Morgen besonders aufgekratzt. Der Mann, der die Bomben des Weltkriegs noch erlebt hat, sagt, dass er Angst hat. Einfach Angst. Er sagt auch, dass jetzt vielleicht bald der Iran dran sein könne, als nächstes. Und dass der Krieg vielleicht noch sehr lange nicht zu Ende ist.

Obwohl der Krieg erst eine Woche dauert, es kommt mir vor, als dauerte er schon viel länger. Er ist in unseren Alltag gedrungen, in unsere Kneipen, wo ich hinkam, da war auch der Krieg. Und er fühlt sich, obwohl er erst eine Woche jung ist, schon komplett anders an als zu Beginn. Er liegt bleiern da, wie eine chronische Krankheit, mit der man nun erst mal wird leben müssen.

Bleiern auch auf der PDS, die sich eigentlich als moralische Siegerin unter den Parteien fühlen müsste, weil sie schon so lange gegen den Krieg ist. Aber das danken die Weißenseer der Partei nicht an diesem Morgen.